Zunftsilber und andere Pretiosen
Zunftsilber und Vorgesetztenbecher - Information
Die Safranzunft besitzt bis auf den heutigen Tag eine
stattliche Anzahl von Trinkgeräten aus Silber, silberne Bestecke und weiteres
kostbares Gerät. Dieser stolze Besitz fusst im 15. Jhdt., wo anno 1481 bestimmt
wurde, dass jeder neue Sechser (Vorgesetzte) einen Geldbetrag - anfänglich drei
Gulden - an eine Schale oder an einen Becher zu spenden hatte.
Mit der steigenden Bedeutung der Zünfte im 16. Jhdt. steigerte sich natürlich
auch dieser Brauch in der Safranzunft. Die Gaben wurden freiwillig mehr und mehr
erhöht und die gestifteten Becher damit zunehmend opulent. Den grössten Glanz
erreichte dieser Zunftschatz im 17. und im Beginn des 18. Jhdts. , also in der
Zeit der höchsten Machtentfaltung der Safranzunft, als diese eine führende
Stellung in der Basler Gesellschaft inne hatte und die reichsten Bürger Basels
ihr angehörten.
Als Zeugen dieser Blütezeit sehen wir heute noch zum Beispiel den herrlichen
grossen Nautilusbecher von Sebastian I. Fechter, 1676 gestiftet von Hans Jakob
Birr, ein von Onophrion Merian 1690 geschenkter kleinerer
Nautilusbecher oder die wunderschöne Meisterkrone
aus dem Jahr 1696 von Hans Rudoph Meyer. Ebenfalls erhalten hat sich
glücklicherweise das Wappenbuch
mit seiner silbergetriebenen Decke von Ulrich Fechter aus dem Jahr 1704. Im Lauf
des 18. Jhdts nahm der Zunftschatz eine immer luxuriösere Form an, bis ein
haushälterischer Vorstand 1767 leider beschloss, damit aufzuräumen. Der
grösste Teil des stolzen Besitzes an Silber wurde "zum besseren Nutzen der
Zunft" eingeschmolzen.
Erhalten haben sich lediglich die oben beschriebenen und eine Anzahl weiterer
Becher, Bestecke und Gerätschaften, die uns den einstigen bedeutenden Besitz
aber nur erahnen lassen. Das wichtigste Objekt aus der Zeit des Historismus ist
dabei das von Ulrich Sauter geschaffene sogenannte "Schiff",
das im Zunftleben auch heute noch eine grosse Bedeutung hat.
Die Tradition, dass neu gewählte Sechser der Zunft einen silbernen Becher stiften, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Diese Becher sind heute von bescheidenerer Ausgestaltung, eröffnen aber über die Jahre einen interessanten Einblick in die Entwicklung.
Text: © 2002 Michael L. Kessler, Statthalter
Alle
bedeutenden Objekte des Zunftschatzes und Zunftsilbers werden wohlbehütet in der
Schatzkammer vom Historischen
Museum Basel aufbewahrt und sind teilweise in Vitrinen ausgestellt.
Meisterkette
Meisterkrone

Schiff Detail
vorne
Detail hinten
grosser Nautilus

kleiner Nautilus

Sebastian
Güntzerbecher

persönliches Besteck 18.Jhdt.

Bärenleuchter

Bärenschale

Böhmebecher

Meister Brucknerbecher

Brühlbecher

Fritschibecher

Zunft zu Safran Luzern 1950
Granertbecher

Imhoffbecher
Iselinbecher

Meister Ottbecher

Rudinbecher

Werdenbergbecher 1902

Straumannbecher 1986

Vestbecher

Meisterkrone aus dem Jahr 1696 (von Hans Meyer)
und das Wappenbuch aus dem Jahr 1704 (von Ulrich Fechter).
Bildnachweise: © 2002 Rolf Bommer und Historisches Museum Basel