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E.E.
Zunft zu Safran Basel
Die
Zunft zu Safran
Von den 29 Korporationen,
welche heute in Basel einen öffentlich-rechtlichen Status haben, ist die E.
Zunft zu Safran eine der vier Herrenzünfte. Sie ist nach dem Safran,
dem edelsten der Gewürze benannt.
Die Bedeutung dieses
Gewürzes für den Handel geht deutlich aus der Tatsache hervor, dass die Zunft
der Krämer für sich selbst, wie auch für ihr Haus dessen Namen und als ihr
Wappen dessen stilisierte Blüte wählte. Erstmals tritt uns die Bezeichnung
"Zunft zu Safran" im Jahre 1372 entgegen; doch ist natürlich die
Korporation der Krämer, die mit Safran handelten, viel älteren Datums. Ihre
Entstehung geht ins 13. Jahrhundert zurück.
Die grosse
wirtschaftliche Bedeutung der Safranzunft wird uns bewusst, wenn wir uns die
Zahl der Berufe vergegenwärtigen, die sie im Laufe der
Jahrhunderte vereinigte und die teilweise heute noch in ihr vertreten sind.
Die
Zunft zu Safran schätzt sich glücklich, Eigentümerin ihres prächtigen,
denkmalgeschützten Zunfthauses an der
Gerbergasse 11 zu sein. Sie ist sich ihrer Verpflichtung, das Haus -ein
bedeutender Ort der öffentlichen Begegnung in unserer Stadt - dauerhaft zu
erhalten, bewusst.
Ebenso bewusst sind sich die rund 320
Zunftbrüder der Eidesformel, auf welche sie ihr Gelöbnis anlässlich der Zunftaufnahme
abgelegt haben:

Um der Stadt Basel Nutz, Ehr und Frommen zu
mehren, ihren Schaden zu wenden,
treu und ohngefährde, allzyt und immerdar
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Leitbild
Wir Zunftbrüder E.E. Zunft
zu Safran wollen das Zunftleben nach Innen und Aussen AKTIV mitgestalten.
Wir sind:
VERBUNDEN MIT DER TRADITION
AKTIV IN DER GEGENWART
OFFEN FÜR DIE ZUKUNFT
Ausgehend von der historischen Rolle und Bedeutung der Zünfte halten wir das
Traditionsbewusstsein aufrecht. Darauf aufbauend fördern wir die Entwicklung
neuer Werte.
Innerhalb der Korporation fördern wir den Zusammenhalt und die Geselligkeit und
legen Wert auf gegenseitige Unterstützung.
Basel liegt uns am Herzen. Wir engagieren uns aktiv für die Stadt und ihre
Region.
Wir bekennen uns zu einem gesunden, für unser Gemeinwesen wichtigen Mittelstand,
getragen von zünftigen Berufen in Handwerk, Gewerbe und Handel sowie neuen
verwandten Berufen.
Unser besonderes Anliegen ist die Betreuung und Förderung der Jugendlichen als
Zukunftsträger.
Unsere soziale Aufgabe sehen wir darin, Schwachen und Älteren zu helfen.
Durch unser Handeln wollen wir in der Öffentlichkeit Gewicht und Anerkennung
gewinnen.
Die Zunft verhält sich parteipolitisch und konfessionell neutral.
Wir setzen uns ein für eine dauerhafte Erhaltung unseres Zunfthauses als Ort
der öffentlichen Begegnung.
Die zur Verwirklichung unserer Aktivitäten notwendigen finanziellen Mittel
erbringen wir durch Vermögenserträge, Sammlungen sowie Beiträge und
Eigenleistungen der Zunftbrüder.
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Zweck
Die Zunft heute
Für unsere Safranzunft soll sich das Zunftleben aber nicht in der
nostalgischen Betrachtung alter Herrlichkeit und in der Pflege der Geselligkeit
erschöpfen. Ausgehend von der historischen Rolle soll das Traditionsbewusstsein
aufrecht erhalten und darauf aufbauend die Entwicklung neuer Werte gefördert
werden. Zusammen mit anderen Zünften beteiligen wir uns zum Beispiel bei der
Bürgergemeinde an der besseren Integration von Neubürgern (Aktion "Basel
besser kennen lernen") oder versuchen in vielen sozialen Vernetzungen uns
positiv für die Entwicklung des Gemeinwesens unserer Stadt einzusetzen.
Migration und Integration sind Themen, denen wir uns stellen müssen. Wir sehen
unsere soziale Aufgabe - durchaus auch im historischen Kontext - darin, den
Schwachen und Alten zu helfen.
Basel ist eine wunderschöne und liebenswerte Stadt. Es
wird uns alle grosse Anstrengungen kosten, diese Lebensqualität im neuen
Jahrtausend auf Dauer zu erhalten. Wir wollen uns aktiv für die Stadt und ihre
Region engagieren.
Text: © 2002 Michael L. Kessler, Statthalter
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Das Zunftleben
Aschermittwoch
Der Höhepunkt des Gesellschaftsjahres der Safanzunft ist ohne Zweifel das
Zunftessen, welches traditionell am Aschermittwoch, das heisst zu Beginn der
christlichen Fastenzeit und damit fünf Tage vor dem "Morgestraich"
der Basler Fasnacht stattfindet. Um ein Uhr mittags beginnt dann das festliche
Mahl mit dem Einzug von "Meister und Sechs" und den Gästen in den Zunftsaal, wo sich die ganze Zunftgemeinde schon versammelt und an den festlich
gedeckten Tischen Platz genommen hat. Die Sitz- und Tischordnung ist dabei ein
Mysterium aus Geschichte, Tradition und vielerlei Korrektur. Die Bezeichnung
"Meister und Sechs" oder auch "Sechser" für ein
Vorstandsmitglied ist ebenfalls historisch, denn seit langem ist der Vorstand
der Zunft auf zehn Mitglieder vergrössert.
Nach einem überlieferten Protokoll läuft die
Zunftversammlung immer gleich und doch immer wieder auf neue Art ab. Die
Meisterrede, die Aufnahme der neuen Zunftbrüder in die Zunftgemeinde und das
Singen des Zunftliedes - fest gefördert durch das Auftreten des Zunftchores -
sind dabei die Höhepunkte.
Einer alten Tradition folgend, führt der Statthalter die
neu Aufgenommenen (über deren Aufnahme hat der Vorstand schon vorher
entschieden und sie aufgenommen) in den Zunftsaal. Dort stellen sie sich der
Zunftgemeinde vor und trinken zur Bekräftigung ihrer Zunftannahme einen Pokal
mit Weisswein aus. Jeder kann sich diesen Pokal selber aussuchen, wobei das
Volumen dieser Gefässe sehr stark variiert! Unter Trommelwirbel muss in einem
Ansatz ausgetrunken werden. Es versteht sich von selber, dass die Zunftgemeinde
ihre neuen Zunftbrüder nun durch Zurufe zu animieren sucht, einen möglichst
grossen Pokal auszuwählen. Schon mancher hat es wohl sehr bereut, sich dazu
verleitet haben zu lassen. Das legendäre "Schiff" - eigentlich eine
wunderschöne historische Silberarbeit von Ulrich Sauter - spielt dabei eine
grosse Rolle. "s'Schiff", "s'Schiff" hört man schon am
früheren Nachmittag einzelne Zwischenrufe, die sich im Laufe des Essens (und
Trinkens!) zu einer akustischen Armada verstärken, gegen die anzureden der
Statthalter oft seine liebe Mühe hat.
Die drei anderen Herrenzünfte halten ihre Zunftessen
ebenfalls am Aschermittwoch ab, so dass es sich eingebürgert hat, sich
gegenseitig auf den Zunftstuben zu besuchen. Die Zunftgemeinde wird auf diesen
Umgängen vom Zunftspiel angeführt, das in seinen wunderschönen historischen,
in den Zunftfarben Gelb und Grün gehaltenen Uniformen auch für viele nicht
zünftige Bewohner Basels zum bekannten Bild des Aschermittwochs gehört. Der
Plan für diese Besuche (eine eigentliche Choreographie mit minuziösem
Zeitplan, der selten eingehalten wird) ist seit einigen Jahren Gegenstand
eifrigster Debatten. (Früher hat die Weinleutezunft ihr Essen nicht am
Aschermittwoch abgehalten, sodass das Reglement einfacher war. Nun gilt es, sich
an das neue Reglement zu gewöhnen!)
Den Abend dieses langen Tages verbringen die Safranbrüder
dann wieder auf ihrer Stube, wo zu einem einfacheren Mahl, zum Beispiel
"Beckenofen", für einen gemütlichen Abend und gute Unterhaltung
gesorgt wird. Seit einigen Jahren hat sich aus der Mitte der Zunftgemeinde eine
Gruppe - das Saffere-Satyricon - gebildet, die dabei mit gespielten Szenen für
pointierte Reflexion sorgt.
Zunftanlässe
Ein weiterer regelmässiger Anlass im Laufe des Zunftjahres ist das weniger
formelle "Mässässe", welches eben während der Basler Herbstmesse
stattfindet. Nach einem gemütlichen Nachtessen wird auf der Zunftstube
gespielt. Beliebt sind natürlich Jasskartenspiele, aber auch Schach-, Bridge-
und auch Tischtennisspieler wurden schon gesehen. In einem alternierenden Turnus
organisiert die Zunft auch regelmässig einen Zunftausflug und auch einen
Familienausflug. Zweimonatlich findet ein "Saffrestamm" (im
Zunftrestaurant) satt.
Fabian Sebastian Güntzer
Der Basler Gewürzhändler Güntzer hat im 17. Jahrhundert seiner
Safranzunft ein Legat vermacht, aus dessen Ertrag jährlich ein Mahl des
Vorstandes für die Honoratioren der Stadt ausgerichtet werden sollte. Bis auf
den heutigen Tag wird dieses Mahl als sehr festliches Mittagessen vom
Zunftvorstand für eine Anzahl illusterer Gäste an jenem Samstag abgehalten,
der dem Geburtstag Güntzers (20. Januar) am nächsten liegt. Die Tafel wird mit
schönem Zunftsilber gedeckt und ein Essen von historischer Üppigkeit
gereicht. Immer eingeladen werden die Präsidenten von Regierung und grossem
Rat, daneben abwechselnd Vertreterinnen (!) und Vertreter anderer Zünfte, der
Universität, der Industrie, der Politik und aus der Kultur.
"Safferemärt"
Natürlich können auch einzelne Ereignisse das Zunftleben bereichern. So
findet zum Beispiel gelegentlich ein "Safferemärt" statt, wo alte
Handwerkstradition gezeigt wird.
Blick über die Mauer
Bis ins 19. Jahrhundert war unsere Stadt von einer kräftigen Mauer
umschlossen. Zwar wurde nie auch nur ein einziger Kanonenschuss von der
Stadtmauer auf einen Feind abgefeuert, aber das Bild der Welt war sehr eingeengt
durch dieses Gefühl der Abgeschlossenheit. Die Mauern sind längst gefallen,
die Stadt expandiert, die Wege von Verkehr und Kommunikation werden dichter und
dichter. Und in den Köpfen? Wenn ich manchmal Mitbürger über unsere Nachbarn
reden höre, sei die Grenze nun der Rhein oder der Dorenbach, scheint mir der
Horizont noch immer häufig an einer Mauer anzustossen. Dies wollen wir aber
nicht unter Traditionsverbundenheit unserer Zunft verstehen. Ganz im Gegenteil!
In der Schweiz gibt es drei weitere Safranzünfte, mit denen ein sehr
freundschaftlicher Kontakt gepflegt wird. Es sind dies die Safranzünfte aus
Zürich,
Luzern und
Mund.
Dort im Kanton Wallis findet sich übrigens der letzte europäische Safrananbau
nördlich der Alpen. (Früher wurde auch in der Gegend von Basel Safran
angebaut!).
Seit vielen Jahren verbindet die Basler Safranzunft eine
enge Freundschaft zu einer verwandten Zunft in England. Es ist dies die Londoner
Zunft der Handschuhmacher,
The Worshipful Company of Glovers of
London. (London
hat als viel grössere Stadt natürlich viel mehr Einzelzünfte, im ganzen über
100). Gegenseitige Besuche zu den Zunftessen führen zu einem sehr engen, auch
persönlichen Kontakt. Wer je die Ehre hatte, an einem Annual Banquet im
Londoner Mansion House teilzunehmen, hat eine Vorstellung vom heute noch enormen
Traditionsbewusstsein und auch vom grossen Einfluss der Londoner Zünfte.
Text: © 2002 Michael L. Kessler, Statthalter
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www.altbasel.ch
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Die Zunft zu Safran


Die Zunft der Krämer tritt im
Vergleich mit anderen Basler Zünften relativ spät auf. Erst 1372
findet sie unter dem Namen zu Safran erste Erwähnung - in jenem
Jahr wurde die älteste erhaltene Stubenordnung niedergeschreiben,
die unter anderem festhielt dass die Eintrittsgebühr vier Gulden
und einen halben ans Zunftgeschirr betrug. Sicher ist dass
Krämerinnung bereits im 13.Jh entstanden war. Zunächst führte
sie den Namen des Gewürzes Ingwer und sie hatte ihre Trinkstube
an der Ingwergasse, die seit 1480 als Imbergässlein bekannt ist.
Die heutige Schneidergasse trug einst den Namen Krämergasse, was
zeigt dass im Umfeld des Andreasplatzes die Leute dieses
Berufsstandes besonders zahlreich waren.
Als Safran bezeichnete man in Persien eine Krokussorte
die sich im Mittelalter als Gewürz grosser Beliebtheit erfreute.
Der Safran war als Handelsware und Importartikel derart
bedeutsam, dass die Krämerzunft ihn nicht bloss in ihrem Namen
führte, sondern auch ihr Zunfthaus nach ihm benannte und seine
Blüte in ihr Wappen aufnahm. Gemeinsam mit der Zunft zum
Schlüssel, der Zunft zu Hausgenossen und der Zunft zu Weinleuten
bildet die Zunft zu Safran das Quartett der Herrenzünfte Basels.
Ihre Zunftgenossen vertraten die Standesschicht zwischen den
Achtburgern und den Handwerkern.


Die stilisierte Safranblüte als Symbol der Zunft. Hier
sieht man sie eingearbeitet in einem von Franz Pergo
geschaffenen Türaufsatz von 1617 aus dem alten Zunfthaus.

Die ersten Berufsleute der Zunft

Die Zunft der Gewürzhändler und Krämer vereinigte anfangs
Berufsleute die speziell dem Detailhandel mit Gewürzen,
Spezereien und Drogen nachgingen. Ihnen stand zur Nutzung eine
Pulvermühle zur Verfügung, welche die Zunft am Rümelinbach zu
Füssen des Kohlenbergs unterhielt. Während des
Konzils zu Basel (1.)
stieg die Nachfrage nach
Gewürzen erheblich, so dass man 1437 im St.Albantal eine zweite
Gewürzmühle in Betrieb nahm. Die Pulverstampfe wurde von einem
durch die Zunft eingesetzten und vereidigten Stämpfer geführt.
Er hatte über die Reinheit der zu mahlenden Rohstoffe und die
Mischung der Spezereien nach vorgegebenen Rezepten zu wachen.
Sie wurden übrigens während des 30jährigen Krieges von der
Pflicht der Nachtwache auf den Stadtmauern befreit, da ihr
Gewerbe von ihnen Tag und Nacht Bereitschaft forderte.
Zu Safran waren auch die Apotheker zünftig, denn ihr
Handwerk stand jenem der Pulverkrämer und Drogisten nahe. Sie
genossen schon im 14.Jh einen besonderen Status, denn sie
mussten genau über die Wirkung jener Zutaten Bescheid wissen,
die sie nach Vorgaben der Mediziner mischten. In jenen Tagen
trat auch immer deutlicher die Neigung der Zunft hervor,
neuentstandene Handwerke bei sich einzugliedern um so gleichsam
aus ihnen einen Nutzen für die Gemeinschaft zu ziehen und den
Einfluss zu mehren. Dieses weitsichtige Vorgehen sollte reiche
Früchte tragen, und brachte mit sich dass zu Safran Berufsleute
zünftig waren, die naturgemäss eigentlich anderen Zünften näher
gestanden hätten.
Bis ins Rüstungswesen reichte die Zuständigkeit der
Safranzunft, denn ihr war der Handel mit Schiesspulver
übertragen worden. Zunftmeister und Vorgesetzte verwalteten den
Pulverturm auf der Leonhardsschanze ob dem Steinentor. Ferner
überprüften sie jeden Mai die bei patentierten Händlern
lagernden Pulverreserven im Rahmen des sogenannten
Pulverumganges. Mit der Zeit wuchs der Kreis der Berufsgattungen
in der Zunft zu stattlichem Umfang. Man fasste Fuss im
Textilhandel, eigentlich die Domäne der Schlüsselzunft. Nach
zahlreichen Streitereien eignete sich die Safranzunft
schliesslich den Handel mit Leinen, Baumwolle und sogar mit
Seide an. Damit verbunden waren kamen auch die Seidenspinner,
Samtweber und die Passemeter zur Zunft.
Viele Berufsrichtungen - viele Pflichten

Die Bandbreite der Berufe, von Hut- und Perückenmacher
bis zu den Spenglern, erlegte dem Vorstand der Zunft zahlreiche
Pflichten auf. Er musste die Verhältnisse auf diesen ganzen
Berufsebenen ordnen und kontrollieren. Unvermeidliche
Differenzen und Reibereien mussten geschlichtet oder verhindert
werden. Bei einer derartigen Vielfalt von Gewerbetreibenden war
die Qualitätssicherung erheblich arbeitsintensiver als bei
anderen Zünften mit weniger Fachgebieten. Von besonderer
Bedeutung war in diesem Zusammenhang das Recht der Zunft zu
Safran auf Waage, Gewicht und Elle - unentbehrliche Hilfsmittel
bei der Definition von Masseinheiten.
Wie in anderen Zünften so gab es auch zu Safran eine
interne Vereinigung mit religiösem Hintergrund. Die
Zunftgenossen schlossen sich in der St.Anderas-Bruderschaft
zusammen, benannt nach dem nahen Gotteshaus. Innerhalb dieser
Bruderschaft, die durch Satzungen geregelt war, widmeten sich
die Zunftgenossen der Krämer der Pflege des religiösen Lebens.
Dazu gehörten die Förderung des regelmässigen Kirchganges, die
Unterstützung armer und kranker Zunftbrüder, die Sorge um die
Bestattung von Zunftbrüdern oder die Mithilfe bei wohltätigen
und guten Werken aller Art. Solche Aktivitäten dienten dem
Seelenheil der Angehörigen der Bruderschaft.


Die Kapelle von St.Andreas auf dem Stadtmodell im
Klingentalmuseum. Man sieht hier die deutlich beengten
Verhältnisse, welche um das Gotteshaus der Safranzunft auf dem
Andreasplatz herrschten.

Einzige Zunft mit eigenem Gotteshaus

Unter den über dreissig derartigen Bruderschaften im
mittelalterlichen Basel tat sich diejenige der Krämer besonders
hervor, denn sie verfügte über eine eigene Kapelle. Das kleine
Gotteshaus auf dem heutigen Andreasplatz wurde erstmals 1241
genannt. Der Platz wurde im späten 13.Jh "in dem Wiele" genannt
und er nahm neben der Kapelle den seit 1359 belegten Kirchhof
und ein dazugehöriges Gebeinhaus auf. Mit der Spende der Witwe
eines verblichenen reichen Krämers Anno 1376 trat die Kapelle
ins Licht der Zunftgeschichte. Mechtildis, die hinterbliebene
Gattin des Hugo von Sarburg stiftete St.Andreas einen jählichen
Zins von 20 Goldgulden zum Unterhalt einer Kaplanei. Sie
überliess dem Zunftvorstand das Privileg einen zu wählenden
Kaplan vorzuschlagen.
Weitere Spenden aus dem Kreis der Zunft folgten, so dass
die Andreaskapelle allmählich nur noch durch finanzielle
Zuwendungen von Zunftbrüdern zu Safran unterhalten wurde. So
wurde in der Folge durch die Zunft der Platz um das Gotteshaus
mit Steinen gepflastert und der Oberknecht zu Safran wirkte
zugleich als Sigrist zu St.Andreas. Bis zur Reformation war die
Kapelle dank der Zunft wohlbegütert. Vieles was mit der Zeit zum
Schmuck der Kapelle gestiftet worden war, wurde beim
Bildersturm 1529 (2.)
durch fanatische Hände
zerstört. Bis 1535 war auch der verbliebene Schatz des
Kirchleins verscherbelt, wobei für die Zunft zu Safran dabei 120
Gulden zusammenkamen. Die nachher zu profanen Zwecken genutzte
Andreaskapelle wurde schliesslich 1792 von der Zunft an Anwohner
und abgerissen.
Wehrpflicht zum Schutze der Stadt

Wie bei allen Zünften waren auch zu Safran militärische
Pflichten wahrzunehmen wenn man zünftig wurde. Der Safranzunft
war gemäss
Wachtordnung von 1374
(3.) der Abschnitt der
Stadtmauer zwischen den Türmen "Guckinsnest" (auch
Zeugbollwerktürmlein genannt) und "Luginsland" anvertraut
gewesen. Dieser Mauerabschnitt lag auf der Linie der heutigen
Bernoullistrasse zwischen der Hausnummer 24 und dem
Bernoullianum an der Ecke zur Klingelbergstrasse. An den Türmen
seien Zunftinsignien angebracht gewesen. Detachemente von 15
Zunftbrüdern besorgten im Wechselturnus die nächtliche Wacht auf
der Stadtmauer. Dazu kamen bei Tage der Wachtdienst der Zunft
beim Spalentor und wechselweise die Bewachung des Rathauses. Der
Rat konnte die Stärke des Detachements nach Bedarf erhöhen oder
senken.
Frauen in der Zunft hatten einen Mann beizubringen, der
an ihrer Stelle die Wache versah. Es kam ab dem 15.Jh langsam
die Praxis auf, bezahlte Stellvertreter auf Wache zu schicken.
Gerade die unter betuchteren Zunftbrüder oder bei den älteren
Herren erfreute sich diese Alternative zunehmender Beliebtheit.
Das Ersatzpersonal, ebenfalls Zunftbrüder die sich ein kleines
Zubrot auf diese Weise verdienten, gab aber immer wieder zu
Klagen Anlass. Es hätten vermehrt ungebührliches Betragen und
schlechte Wachtdisziplin Einzug gehalten. Anno 1525 wurde
beispielsweise sechs Zunftgenossen das Recht als Ersatzmänner zu
wachen aberkannt, da sie während des Dienstes unter den Toren
und im Rathaus zu sehr dem Wein zugesprochen hätten.
Die militärischen Verpflichtungen galten auch für
Feldzüge. Die Zunft versammelte dazu eine eigens durch die
Häupter (Ratsherr und Meister der Zunft) ausgewählte Mannschaft.
Sie zog unter dem sogenannten Gerfähnlein der Zunft, geführt von
mindestens einem Sechser (einer der sechs Beisitzer des
Zunftvorstandes) mit den Basler Truppen ins Feld. So etwa
geschehen bei der Teilnahme am Feldzug gegen Dijon im Burgund,
wo im ausziehenden Heer auch 28 Angehörige der Safranzunft unter
Hans Lux Iselin mitmarschierten. In der letzten grossen Schlacht
fochten 62 Zunftbrüder im eidgenössischen Heer am 13./14.
September 1515 bei Marignano. Mit dem Kappeler Krieg während der
Reformation kam der letzte Kriegseinsatz im Rahmen der zünftigen
Auszüge.


Kartusche von 1703 zum Gedenken an den Umbau des
Zunfthauses. Sie trägt Namen und Wappen damaliger Häupter und
Sechser der Safranzunft und hängt im Treppenhaus des neuen
Zunfthauses.

Das Kriegsgerät der Zunft zu Safran wurde im Erdgeschoss
des Zunfthauses verwahrt. Die Zunft war nämlich verpflichtet,
ihr Kontingent an wehrpflichtigen Mannen wohl gerüstet und gut
versorgt zu halten. Wer in die Zunft eintrat musste über eine
persönliche Rüstung verfügen, bestehend aus einem Helm, einem
Harnisch zum Schutz des Oberkörpers und Blechhandschuhen. Von
betuchten Zunftbrüdern wurde um 1446 dabei erwartet, dass ihre
Rüstung umfassender war als die der weniger gut Gestellten. Wer
nicht so gut bei Kasse war, der musste wenigstens über eine
Rüstung verfügen mit der er sich in der Not ins Feld traute.
Waffen wie Spiesse, Halbarten und anderes wurden wegen ihrer
Sperrigkeit kaum daheim aufbewahrt. Daher unterhielt die Zunft
ein eigenes Arsenal in ihrem Zunfthaus - die Rüstkammer.
Von der Trinkstube zum Zunfthaus

Zum erstenmal ist für 1345 ein Gesellschaftslokal der
Krämer belegt. Es handelte sich um eine Trinkstube die sich bei
der Andreaskapelle im Haus "zum Walraven" befunden habe. Das
Gebäude erstreckte sich zeitweise über die Liegenschaften
Andreasplatz 7 bis 13 und scheint auf der anderen Seite an die
heutige Imbergasse gestossen. Es wurde später nach der
Gesellschaft "zum Ingwer" benannt, die dort als Vorgängerin der
Safranzunft zusammenkam. Allerdings verliessen die Krämer noch
im 14.Jh diesen Sitz und bezogen ihre neuen Räume an der
heutigen Gerbergasse Nummer 12 neben der Zunftlaube der
Kürschner. 1423 erwarb die Zunft den alten Ballhof auf der
anderen Seite der Gasse und liess an seiner Stelle ein neues
Zunfthaus errichten.
Man trat vom Rindermarkt her durch einen Torbogen in den
Hof mit Brunnen und Kegelbahn. Links im Erdgeschoss befanden
sich eine Stube, Küche und Rüstkammer. Rechts gab es einen
grossen Raum, "Tanzplatz" genannt, den man nach Jahreszeit für
Festlichkeiten nutzte. Im ersten Stock gab es ein Zimmer für
Archiv und Vermögen der Zunft, es lag über dem Gässlein zum
Birsig. Der Raum war nur über die Herrenstube zugänglich. In
dieser wurde wiederum am Sonntag vor St.Johann der Zunftvorstand
im Rahmen der Regimentserneuerung gewählt. Die alten Sechser
wählten ihre Nachfolger, und gemeinsam wählten dann alte und
neue Sechser unter dem Vorsitz des alten Zunftmeisters (und
unter Einbezug einiger weniger Vertreter der Zunftgemeinde)
dessen Amtsnachfolger. Im ersten Stock lagen ferner das
Vorgesetztenzimmer, die kleine Stube und der grosse Zunftsaal.
Ein Apotheker, Staatsmann und Zunftmeister

In der illustren Reihe der Meister die im Zunftrodel ab
1358 verzeichnet sind, begegnet uns der 1512 gewählte Apotheker
Henman Offenburg. Im Zuge seiner weiteren Laufbahn sollte er zum
begabtesten Staatsmann werden, den Basel im 15.Jh hervorbrachte.
Henmans Stiefvater Konrad zem Haupt war 1407 zum Zunftmeister zu
Safran gewählt worden. 1534 bekleidete Onophrion Holtzach das
Meisteramt. Er trat bis zu seinem Tode 1552 als eifriger Sammler
von Zunftrechten in Erscheinung, war er doch neben seinem Sitz
in der Safranzunft auch noch zum Schlüssel, zu Weinleuten, zu
Hausgenossen, zu Gartnern und zu Schmieden zünftig. Der gewählte
Zunftmeister erhielt nach seiner Wahl in der Herrenstube vom
alten Meister vor der wartenden Gemeinde in der grossen Stube
das Meisterkränzlein als Zeichen von Amt und Würden aufgesetzt.


Das heutige Zunfthaus an der Gerbergasse Nummer 11,
erbaut 1900-1902 von Adolf Visscher van Gaasbeck vom
Architekturbüro Rudolf Linder. Das Aushängeschild des
Restaurants ist in den Zunftfarben Grün und Gelb gehalten.

Bis in 19.Jh blieb das Zunfthaus weitgehend unverändert.
1569 liess man es durch Malerien ausschmücken und im 17.Jh
folgte eine Renovation. Grosse Umbauten wurden zu Beginn des
18.Jh unter der Leitung des städtischen Werkmeisters Balthasar
Hüglin durchgeführt. An diese Arbeiten erinnert eine Tafel von
1703 mit den Namen und Wappen der damaligen Häupter und Sechser
der Safranzunft. Sie ist heute im Treppenhaus des neuen
Zunfthauses zu sehen. Nach diesem Umbau wurden schändlicherweise
die bis ins 15.Jh zurückgehenden Glasmalereien der Fenster für
nur 18 Basler Pfund verkauft. Weitere Umbauten folgten im 19.Jh,
im Besonderen zu Beginn der 70er Jahre, als im Erdgeschoss eine
Wirtschaft eingerichtet wurde. Bei der Birsigkorrektion 1888 kam
das Zunfthaus zu einem zweiten Stock, wobei die neue Fassade
zwei unpassende hohe Giebel mit Malereien erhielt.
Das heutige Zunfthaus

Die Verbreiterung der Gerbergasse forderte von der
Safranzunft ihren Tribut, denn das alte Zunfthaus musste
weichen. An seiner Stelle entstand ab 1900 das neue Zunfthaus zu
Safran. Die Zunft liess einen Wettbewerb unter den namhaftesten
Basler Architekturbüros ausschreiben. Schliesslich wurde der
gotisch orientierte Entwurf von Adolf Visscher van Gaasbeck
umgesetzt. Am Aeschermittwoch 1902 konnte die Zunft feierlich
ihr neues Gesellschafthaus beziehen. Von 1941 bis 1943 wurden
umfassende Renovationen am Haus durchgeführt. 1973 trug man sich
mit dem Gedanken, das Gebäude durch ein neues Zunfthaus zu
ersetzen. Dagegen wandten sich die Freiwillige Basler
Denkmalpflege und der Basler Heimatschutz. Sie liessen auf ein
Umbauprojekt erarbeiten, welches 1978/79 durch dieselbe Firma
umgesetzt wurde, die bereits die Renovation 1941/43 durchführte.
Die Zunft zu Safran verlor, wie alle Basler Zünfte, bis
zum Ende des 19.Jh Macht und althergebrachten Befugnisse.
Bewahrt blieben Traditionen wie das Fabian-Sebastian-Mähli. Es
geht zurück auf eine Stiftung des Sebastian Güntzer. Der einem
ehrbaren elsässischem Geschlecht entstammende Spezierer liess
sich 1607 in Basel nieder und erwarb 1614 das Bürgerrecht. Ein
Jahr später wurde er zu Safran zünftig, wo man ihn 1629 zum
Stubenmeister ernannte. Anno 1636 bekleidete er das Amt des
Seckelmeisters, zwei Jahre darauf schloss er für immer die
Augen. Güntzer hatte verfügt, dass alle Jahre am Sebastianstag,
die Vorgesetzten mit einer Spende erfreut werden sollten. 1640
wurde die Spende in ein gemeinsames Mahl der Vorgesetzten im
Gedenken an den Stifter umgewandelt. So wird es heute noch im
Januar um St.Sebastian im Kreise der Vorgesetzten mit Gästen
gehalten.



Surftip zur Zunft:

> Website der Zunft zu Safran



Literatur:
Paul Koelner, Die Safranzunft zu Basel, 1935, Verlag Benno
Schwabe & Co Basel
Paul Koelner, Basler Zunftherrrlichkeit, 1942, Birkhäuser
Verlag, Seiten 132 bis 135
Robert Schiess, Die Zunft- und Gesellschaftshäuser der Stadt
Basel, 2001 Verlag Schwabe & Co AG Basel, Herausgegeben vom
Basler Heimatschutz, ISBN 3-7965-1889-3, Seiten 42 bis 43
Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996,
Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN
3-905065-22-3, Seiten 194
Eugen A.Meier, Verträumtes Basel, 1974, Birkhäuser Verlag, ISBN
3-7643-0730-7, Seiten 40 und 70
Guido Helmig/Christoph Ph.Matt im Jahresbericht 1989 der
Archäologischen Bodenforschung BS, Katalog der landseitigen
Äusseren Grossbasler Stadtbefestigungen, ISBN 3-905098-10-5,
Seiten 130 bis 131 mit vergleichendem Plan Seite 83 und
Wachtordnung von 1374 Seite 152 bis 153
E.A.Gessler, Basler Wehr- und Waffenwesen im 16.Jh, 116.
Neujahrsblatt der GGG 1938, Helbing und Lichtenhahn, Seite 13
Elsanne Gilomen-Schenkel, Henman Offenburg - Ein Basler Diplomat
im Dienste der Stadt, des Konzils und des Reichs, 1975,
Kommissionsverlag Friedrich Reinhard AG, ISBN 3-7245-0367-9,
Seiten 24 bis 25
André Salvisberg, Die Basler Strassennamen, 1999, Christoph
Merian Verlag, ISBN 3-85616-104-X, Seiten 80 bis 81 und 222
E.Blum und Th. Nüesch, Basel Einst und Jetzt, Eine
kulturhistorische Heimatkunde, 1913, Verlag Hermann Krüsi, Seite
94 bis 95
Dorothee Huber,Architekturführer Basel, 2.Auflage 1996,
Herausgegeben vom Architekturmuseum in Basel, ISBN
3-905065-22-3, Seite 194
Rolf Brönnimann, Basler Bauten 1860-1910, 1973, Verlag Helbing &
Lichtenhahn, ISBN 3-7190-0624-7, Seite 21
Othmar Birkner/Hanspeter Rebsamen, Inventar der neueren
Schweizer Architektur 1850-1920: Basel, 1986, Gesellschaft für
Schweizerische Kunstgeschichte, Seite 168
Gustav Adolf Wanner, Zunftkraft und Zunftstolz, 1976, Birkhäuser
Verlag, ISBN 3-7643-0856-7, Seiten 75 bis 82
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